Eben habe ich doch den neuen Abreißkalender aufgehängt und die mutige Entscheidung getroffen, nochmal beruflich neu durchzustarten. Und jetzt ist das Jahr schon wieder vorbei? Im Januar war mir bewusst, ich werde 2025 viel loslassen müssen und das Jahr wird holprig werden. Nun ist Dezember – und vielleicht kennst Du das Gefühl, was einen am Jahresende erreicht – es geht immer schneller vorbei und dabei habe ich doch noch so viel zu tun. Habe ich das erreicht, was ich mir am Jahresanfang vorgenommen habe?
Entscheidung 1: Ich bin Mutmacherin für andere Frauen
Leicht gesagt, aber hinter meiner Entscheidung, eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen lag der Wunsch, andere trauernde Frauen zu begleiten und ihnen einen Halt zu geben. Seitdem habe ich viele Gespräche mit Frauen geführt, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Ich habe meine Website aufgebaut, Angebote entwickelt und Marketing betrieben. Ich bin in die Sichtbarkeit gegangen und habe meine Reichweite auf Instagram vervierfacht. Und doch habe ich gespürt, dass ich mich nicht ausreichend gegen die Gefühle und den Schmerz der anderen Frauen abgrenzen kann. Mein Wunsch, Mutmacherin zu sein, ist geblieben. Aber ich habe erkannt, dass ich mich selbst beim Eintauchen in andere Trauerprozesse verliere.
Mit der Gründung meiner eigenen Community auf Skool habe ich einen Raum geschaffen, in dem sich Frauen austauschen können, die einen ähnlichen Verlust erfahren haben oder die an einem anderen Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Vielleicht bin ich zu ungeduldig, aber wenn der Druck Geld verdienen zu müssen auf den Schultern lastet, dann fällt es schwer, geduldig zu bleiben. Deshalb habe ich entschieden, diesen Druck von meiner Trauerbegleitung zu nehmen und mit meiner langjährigen Expertise als Industriemeisterin Druck Produkte zu entwickeln.
Entscheidung 2: Ich schreibe ein eigenes Buch
Der Wunsch, mein eigenes Buch zu schreiben, stand schon vor fünf Jahren fest. Ich notierte 50 Dinge, die ich in meinem Leben umsetzen möchte. Und das Buch tauchte sofort auf. Auch beim Journaling, was ich die letzten fünf Jahre regelmäßig praktizierte, schrieb ich immer wieder von meinem Wunsch, schreiben zu wollen. Die Trauerbegleitungsbücher in meinem Bücherregal konnten mir das nicht geben, was ich brauchte. Weder die Sprache noch die Inhalte erreichten mich. Mein eigenes Buch zu schreiben war für mich rückblickend betrachtet mein eigener Abschluss der Trauerzeit. Ich habe verstanden, welche Prozesse und Phasen meine Trauer durchlaufen hat und wie wichtig es war, mir dafür die Zeit von 5 Jahren zu nehmen. Da ich eine Ausbildung in der Gestaltung von Büchern habe und in meinem Leben schon viele Bücher und Broschüren layoutet habe, hatte ich technisch keine Probleme, die Inhalte zu strukturieren. Ich wünschte mir eine freundliche Gestaltung und habe dabei meine Feng-Shui-Elemente Metall und Holz berücksichtigt.
Ich weiß, was technisch möglich ist und musste mich zurücknehmen, um das Buch nicht unnötig teuer zu machen. Als Selbstpublisher kann ich mit den Buchpreisen eines Verlagsbuches nicht mithalten. Der Druck eines gebundenen Buches in kleiner Auflage ist natürlich teuerer als bei einer hohen Auflage. Trotzdem habe ich mir ein Lektorat gegönnt und zahlreiche Korrekturschleifen durchgeführt. Für mich war das Schreiben und das Veröffentlichen meines eigenen Buches der Beweis an mich, dass ich es kann und dieses Gefühl kann mir niemand nehmen. Das Buch steht in meinem Regal und bildet meinen eigenen Trauerprozess ab, auch wenn das gar nicht die Intension dahinter war.
Meine anschließende Pressearbeit hat mir einen schönen Zeitungsartikel gebracht und auch das wird mir niemand nehmen können. Ich hätte mir natürlich höhere Verkaufszahlen gewünscht oder dass ein Verlag Interesse an einer Veröffentlichung zeigt.
Entscheidung 3: Loslassen im großen Stil
Auch privat gab es einige Entscheidungen zu treffen. Mein Haus, das ich gemeinsam mit Andreas gekauft hatte, fand einen neuen Besitzer. Ist es mir leicht gefallen? Der Auszug ja. Das Ausräumen und das Sortieren von all den Dingen, die sich im Lauf der Jahre angesammelt hatten, nicht. Ich ruderte und haderte und am liebsten hätte ich das alles jemand anderes überlassen, nur um dann doch wieder alles durchzusortieren. Es fanden sich Dinge auf dem Dachboden, von denen ich überhaupt nicht wusste, dass sie existierten. Mein Mann hatte seine ganze Jugend in Kartons verpackt. Erinnerungsstücke, aus einer Zeit, zu der wir uns noch gar nicht kannten. Dinge, die für mich wertlos waren, Matchboxautos, Comic-Hefte und Baseballhandschuhe. Wo fange ich an, zu horten, und wo behalte ich Dinge, die vielleicht für meine Tochter später von Wert sein könnten? Letzten Endes entschied ich mich für ein großes Loslassen. Ein paar Steiff-Tiere blieben. Der Rest ist Geschichte. Wenn ich etwas so sehr vergrabe, hat es dann noch einen Wert für mich? In meinem neuen Zuhause liegt noch ein Stapel Tischdecken. Viele davon sind unbenutzt, handbestickt, manche wunderschön, andere nicht mein Geschmack.
Loslassen musste ich auch meinen lieben Hund Hoss. Er wurde immerhin über 18 Jahre alt. Ein Flummy, so, wie Terrier eben sind. Springend, hüpfend, er konnte nicht normal aus der Haustür gehen, er sprang. Und dann der Moment, wo ich erkannte, nun ist es genug. Er konnte nicht einmal mehr seine Hunderunde laufen. Musste sich tragen lassen. Und es war klar, seine Zeit ist vorbei. Nun liegt er im Garten, vor meinen Rosen und wenn die Sonne scheint, dann summt es um ihn herum. Das gefällt ihm bestimmt.
Siggi brachte bei seinem Einzug weitere Dinge in den Haushalt, die ihren Platz finden mussten. Unter anderem Erinnerungsstücke an sein Leben, seine Eltern. Wir haben viel sortiert und auch hier großzügig losgelassen. Nicht, weil ich die Sachen nicht hier haben möchte, sondern weil wir nur eine gemeinsame Zukunft aufbauen können, wenn wir uns vom alten Leben weitestgehend verabschieden.
Entscheidung 4: Mein Büro ist kein Durchgangszimmer
Das Ausräumen meines alten Hauses stellte mich vor das Problem, alles irgendwie unterbringen zu müssen, was wirklich zu schade zum Wegwerfen war, aber was keinen neuen Besitzer fand. Und weil es so praktisch ist, landete alles in meinem Büro. Ich konnte ja an den Esszimmertisch ausweichen. Doch jedes Mal, wenn ich in mein Büro „musste”, störte mich dieses Chaos, diese Unordnung und dieser Blick auf Unvollendetes. Das war keine Basis für ein Geschäft und ich stellte nochmals alles auf den Kopf. Die Hirschgeweihe, die ich noch nicht abgegeben hatte – Andreas hatte mich darum gebeten, nicht alles zu verramschen – kamen in den hinteren Keller. Sie werden noch einen Platz finden.
Die Couch-Garnitur, die ich erst vor drei Jahren gekauft hatte, steht weiterhin im Büro, hat aber nun eine schöne Ecke gefunden und kann auch als Besprechungsecke oder als Gästebett dienen. Die Rückwand von meinem Schreibtisch habe ich neu gestaltet und für den Videodreh sieht sie jetzt richtig professionell aus. Viele Dinge, die ich vorher von links nach rechts geräumt habe und mich nicht überwinden konnte, sie wegzuwerfen, habe ich weggeworfen.
Was monatelang keinen Platz findet, brauche ich nicht wirklich.
Das Laufband steht nun neben meinem Schreibtisch. Zum endgültigen Wegwerfen konnte ich mich noch nicht überwinden, immerhin erinnert es mich jetzt daran, dass ich mich bewegen darf. Mein Büro ist jetzt schon viel freundlicher geworden, ganz chaosfrei ist es immer noch nicht.
Entscheidung 5: mein neuer alter Geschäftsbereich „Workbookprofi”
Der Verlust des Partners und die Aufgabe meiner alten Firma hatten erhebliche finanzielle Auswirkungen auf meine Zukunft. Zwar federt der Verkauf des Hauses etwas ab, aber er wird nicht ausreichen, mir ein Leben ohne weitere Einnahmequellen zu ermöglichen. Da ich wirklich gerne arbeite und durch die Arbeit an meinem eigenen Buch gespürt habe, wie sehr ich es liebe, Textmengen zu gestalten, griff ich im Oktober meine alte Geschäftsidee wieder auf, Coaches und Unternehmen zu professionellen Workbooks zu verhelfen.
Sicherlich können sie diese Arbeiten mit Tools wie Canva oder Word selbst durchführen. Meine Rolle ist nicht die der Kompletterstellerin, sondern ich begleite bei den Arbeitsschritten, die schwerfallen. Mein erstes Produkt ist der Schnellcheck „Workbookretter”, bei dem ich bis zu 60 Seiten zum Pauschalpreis überprüfe und meine Veränderungsempfehlungen schriftlich festhalte. Bei der Überarbeitung unterstütze ich gerne oder führe sie auch komplett durch. So, wie es gewünscht wird.
Fazit: Entscheidungen treffen bringt Bewegung ins Leben
Wenn Du Veränderungen in Deinem Leben wünscht, reicht es nicht aus, zu manifestieren oder davon zu reden. Erst wenn du bereit bist, bewusst Entscheidungen zu treffen, bewegen sich die Dinge. Durch die Entscheidung, mein Haus zu verkaufen, musste ich mir ein neues Zuhause gestalten. Der Umzug in eine kleinere Wohnfläche forderte, dass ich mich von vielen Dingen trenne, die mir sowieso nichts mehr bedeuteten. Durch das Schreiben meines eigenen Buches habe ich nicht nur meine Trauer noch einmal durchlebt, sondern meine Leidenschaft fürs Buchdesign wiederentdeckt. Was für ein Geschenk. Die Entscheidung, mein Geschäftsmodell nochmal zu verändern, zieht eine Veränderung meiner Außendarstellung mit sich. Dadurch verliere ich Follower auf Instagram – und gewinne neue. Mein Leben ist in ständiger Bewegung und Dinge, die mir früher Angst gemacht haben – Sichtbarkeit, Bewertung, Risiko – haben ihren Schrecken verloren. Weil mir bewusst wurde, dass ich täglich neue Entscheidungen treffen und damit meinem Leben jederzeit eine neue Richtung geben kann.

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