Du fühlst es täglich. Diesen schweren Verlust, diese klaffende Wunde, diesen Schmerz. Sie sagen, dass Du doch jetzt wieder positiv nach vorne schauen solltest. Dass Dir doch klar sein müsste, dass Du die alten Zeiten nicht mehr nach vorne holen kannst. Aber das ist keine Frage des Verstandes. Das ist eine Frage des Herzens. Du erinnerst Dich an all die Dinge, die ihr gemeinsam erlebt habt. Die Guten – und auch die weniger Guten. Und das hat eure Beziehung ausgemacht. Dass ihr nicht aufgegeben habt, wenn es schwierig war. Dass ihr wusstet, was ihr aneinander habt. Und dass ihr den Menschen hinter all den Fehlern und Makeln geliebt habt. Trotzdem, oder deshalb.
Ich fühle Deinen Schmerz. Den Schmerz des Verlusts.
Ich habe ihn selbst durchlebt und ich fühle diese raue Narbe immer noch. Nicht ab und zu. Ich reibe mich täglich daran. Wenn ich dieses eine Lied höre. An dieser einen Stelle vorbei gehe. Diesen Vogel sehe. Meinen Hund anschaue. Wenn der Regen fällt oder die Sonne scheint, das Gras riecht, ein Feuer im Garten oder nur eine Kerze brennt. Ich erinnere mich, wenn ich frisch gesägtes Holz rieche, den Motor eines englischen Geländewagens höre oder einen Kuchen backe – den mochte er so sehr. Und wenn ich in mein Herz schaue. Es braucht nichts besonderes, um diesen alten Schmerz sofort wieder hochzuholen. Keine Fotos, keine Videos oder keine alten Briefe. Diese Dinge schneiden sich wieder tief in mein Herz und das ist nichts, was therapiert werden braucht. Das ist eine alte tiefe Liebe, ein Stück meines alten Lebens, was einfach nicht mehr da ist.
Gib nicht auf.
Während ich hier sitze und meinen alten tiefen Schmerz spüre, der mich vom Schlaf abhält und gestern weinend auf einer Bank sitzen ließ, pocht mein Herz unaufhörlich weiter. Es schlägt und es lebt.
Seit fünf Jahren räume ich mein Leben auf. Ich sortiere, ich reflektiere und ich lasse los. Ich halte fest, ich überlege und ich falle zurück in alte Gewohnheiten. Und laufe weiter. Gestern habe ich wieder versucht, etwas festzuhalten, was schon lange verloren ist. Ein gemeinsames Hobby, kein Hobby, ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Und während ich versuchte, das alte Gefühl wiederzubeleben, rannen mir die Tränen übers Gesicht. Ich bat Gott, mir ein Zeichen zu schicken. Mir zu sagen, was ich tun soll. Es braucht nicht viele Zeichen. Denn ich spüre es tief in mir drinnen, wenn ich bereit bin, zuzuhören und die Antwort anzunehmen. Lass es los.
Während ich versuchte, das Alte festzuhalten und der Schmerz über das verlorene Gefühl mich übermannte, werde ich woanders gebraucht. Meine Aufgabe in diesem Leben ist eine andere geworden. Nicht von heute auf morgen. Nicht durch eine plötzliche Eingebung. Sondern dadurch, dass ich einfach weitergegangen bin und mich so sehr verändert habe, dass ich nicht mehr zu meinem alten Leben passe.
Mit dem Verlust leben? Den Schmerz überwinden?
Menschen sagen mir immer wieder, dass ich glücklich wirke, dass ich aus dem Innen leuchte. Ich nehme das selten wahr. Wenn es so ist, dann liegt das wohl daran, dass ich meinen neuen Weg gerne beschreite. Dass ich spüre, dass ich in meinem neuen Leben angekommen bin. Dass das ununterbrochene Hinterfragen, das ständige Loslassen in allen Bereichen meines Lebens einen Menschen aus mir gemacht hat, der auch ohne den alten Teil weiterleben kann. So, wie man mit einem verlorenen Arm oder Bein weiterleben kann. Wir sehen den Verlust, wir nehmen ihn täglich wahr. Und am Anfang verlieren wir das Gleichgewicht oder nehmen unser Spiegelbild als befremdend wahr. Aber das gehört zu unserer Geschichte. Man darf es uns ansehen. Wir dürfen leiden und wir dürfen traurig sein. Aber wir dürfen uns auch dem Leben zuwenden und eine neue Aufgabe finden. Denn wir haben das Geschenk bekommen, weiterleben zu dürfen. Auch wenn es für viele Jahre eine Last war, dieses Geschenk.
Vielleicht stehst Du jetzt an der gleichen Stelle, an der ich vor fünf Jahren stand.
Einsam, traurig, auf der Suche nach einem Sinn. So fühlen sich viele Hinterbliebene nach dem Verlust. Ich bin nicht die Trauerbegleiterin, die Dich durch ein standardisiertes Fragen-Set-up begleitet. Die Dir die Trauerphasen erklärt. Natürlich stelle ich Dir Fragen. Bequeme und unbequeme. Ich bin (D)eine Begleiterin, und um Dich zu fühlen, gehören Fragen dazu. Ich bin eine, die Deinen Schmerz kennt und die nicht sofort eine Antwort findet. Es gibt sie nicht, die Antwort, die sofort passt. Ich bin die, die nicht immer die emotionale Distanz wahren kann, weil sie sich in Deinem Schmerz auch ein Stückchen wiederfindet. Bei mir spricht das Herz laut mit.
Mit mir zu arbeiten bedeutet, mich hinschauen zu lassen. Mein eigener Weg ging durch einen langen Prozess des Stellens von Fragen. Auch Deiner geht durch diese Fragen hindurch.
- Wer war ich in meiner Beziehung zu dem Verstorbenen?
- Was war meine Rolle in dieser Beziehung?
- Welche Rolle habe ich gerne ausgefüllt und welche weniger?
- Was darf in dieser alten Rolle sofort losgelassen werden?
- Was war mein Antrieb in meinem alten Leben?
- Auf was habe ich in meinem Leben bewusst verzichtet?
- Habe ich das freiwillig und aus Liebe getan?
- Möchte ich das Verlorene nachholen oder brauche ich es nicht mehr?
- Wie stelle ich mir mein Leben in einem, in drei, in fünf Jahren vor?
- Bin ich bereit, eine neue Aufgabe in meinem Leben annehmen?
- Wer könnte mich bei meiner neuen Aufgabe unterstützen?
- Wofür kann ich täglich dankbar sein?
- Was steht mir im Weg, um glücklich zu werden?
- Was steht mir im Weg, um heute schon glücklich zu sein?
Du musst nicht auf alle Fragen sofort eine Antwort finden. Welche spricht Dich an? Bei welcher Frage spürst Du, dass es wirklich weh tun wird? Da liegt die Heilung.
Nutze die Möglichkeit, Dich mit mir auszutauschen. Per kostenlosem Kennlerngespräch oder in der Community WendePunkt Trauer. Dir liegt das Internet nicht? Dann nutze mein Buch oder lass uns persönlich zusammenarbeiten. Es gibt zahlreiche Wege, wie Du von meinen Erfahrungen profitieren kannst.
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