„Der Preis war mir für 174 Seiten zu hoch.“ Mit dieser Aussage wurde ich von einer potenziellen Buchkäuferin vor kurzem konfrontiert. Und ja, wenn ich die reinen Vergleichswerte betrachte, dann kann ein Verkaufspreis von rund 37 Euro für die gebundene Ausgabe fast als Wucher betrachtet werden. Warum mein Buch trotzdem nicht zu teuer ist, das möchte ich gerne erklären. Denn als Selbstständiger wirst Du immer wieder mit dem Argument „zu teuer” konfrontiert werden.
Um was für eine Art von Buch handelt es sich denn?
Einen Roman mit einem Arbeitsbuch zu vergleichen entspricht der klassischen Äpfel-Birnen-Rechnung. Der Aufwand des Recherchierens und Schreiben ist zwischen einem Arbeitsbuch und einem Roman sicherlich ähnlich. Auch die Lektoratskosten sind vergleichbar. Das Layout eines Romans, also der Buchsatz, ist allerdings überschaubar. Nichts soll vom Text ablenken, es gibt wenige Romane oder textlastige Bücher, bei denen ein aufwändiges Layout angewandt wurde. Falls doch, sind diese Schmuckausgaben, die – Du ahnst es vielleicht – höherpreisig in den Verkauf gehen.
Mein Buch sollte von Beginn an zeigen, dass Bücher, die sich mit dem Thema Trauer beschäftigen, auch schön sein können. Dass sie nicht nur in Schwarz-weiß gestaltet und mit einer Textmenge ausgestattet werden müssen, die die Leserin oder den Leser erschlägt.
Wer ein Buch liest, um seine Trauer zu verarbeiten, ist in der Regel in einer emotionalen Ausnahmesituation. Er kann nicht zu viele Informationen aufnehmen und er möchte es auch nicht. Ich habe selbst einige Bücher geschenkt bekommen, bei denen ich mir die Frage stellte, was sich die Verlage bei der Gestaltung gedacht haben? Viel hilft viel? Nach ein paar Seiten war ich müde und erschöpft, weil mich sowohl der Inhalt als auch der Buchsatz an meine Grenzen gebracht haben.







Damit bin ich beim nächsten Punkt: Verlag oder Selfpublisher?
Wer sein Buch nicht über einen Verlag veröffentlicht, trägt sowohl das Risiko als auch die Kosten komplett selbst. Dafür kann er alles selbst entscheiden: die Optik, den Inhalt und den Erscheinungstermin seines Buches.
Damit ist er auch verantwortlich dafür, dass sich das Buch verkauft. Sprich für das Buchmarketing. Das alles kostet Zeit und Geld. Ein Aufwand, der bei einer Verlagsveröffentlichung vom Verlag übernommen wird und über die Menge der Buchverkäufe wieder gegenfinanziert wird. Da der Verlag das Risiko trägt und er in Vorleistung geht, bleibt für den Autor eine Marge zwischen 5 und 15% pro verkauftem Buch übrig. Das bedeutet, erst durch hohe Buchverkaufszahlen reichen die Tantiemen, um den eigenen Aufwand gerecht zu vergüten.
Bei Selfpublishern liegen auch das Layout, das Lektorat und das Marketing in der Eigenhand. Es gibt Verlage, die das Buch zwar verlegen, dafür aber eine Vorleistung von einigen tausend Euro verlangen, um ihr eigenes Risiko abzufedern. Als Autorin habe ich also nicht nur das Buch geschrieben, sondern ich finanziere auch die Veröffentlichung vor.
Wird das Buch nicht erfolgreich, ist das Geld weg.
Beim reinen Selfpublishing kann ich über Plattformen wie Amazon oder BoD meine Druckdatei hochladen und das Buch veröffentlichen. Schwarz-weiß-Bücher lassen sich damit ganz gut kalkulieren. Sobald das Buch aber hochwertiger und in Farbe ist, wird es teurer. Für den Autor bleiben bei günstigen Kalkulationen zirka 1-2 Euro pro Buchverkauf hängen. Ohne kostspielige Werbemaßnahmen, die sowohl für Selfpublisher als auch für Verlage über den Verkaufspreis refinanziert werden müssen, ist es schwer, Verkaufszahlen zu erzielen, die mehr als eine Anerkennung der Arbeit widerspiegeln – gerade bei Nischenprodukten.
Ich habe mein Buch quasi umsonst geschrieben und soll nun den Löwenanteil der Einnahmen an Amazon lassen. Damit der Leser zwei Euro spart? Das darf jeder Autor für sich selbst entscheiden. Ich habe eine Entscheidung bei der Preisfindung getroffen.
Meine Arbeit schenke ich nicht her. Pro Verkauf möchte ich 20% verdienen.
Welchen Nutzen hat mein Buch für den Leser?
Mein eigenes Buch hilft den Trauernden zum einen dabei, ihre Trauer zu verstehen. Und es zeigt, dass ich als Autorin eine ähnliche Situation erlebt habe. Ich lasse den Leser nicht nur auszugsweise an meiner eigenen Geschichte teilhaben, sondern ich spreche darüber, was mir geholfen hat und mit welchen Fragen ich in meinem eigenen Trauerprozess weitergekommen bin. Bereits ein Kapitel oder eine Frage kann blinde Flecken beim Leser aufzeigen und dazu beitragen, das Erlebte zu verarbeiten. Sind dafür 37 Euro wirklich zu viel? Eine Therapiestunde bei einer Trauerbegleitung wird nicht unter 80 Euro angeboten. Ich habe am Anfang meiner Trauer monatlich zwischen 300 und 400 Euro in Therapie investiert. Und erst, als ich begann, zu reflektieren und meine Gedanken aufzuschreiben, sie in Zusammenhang zu bringen und Entscheidungen zu treffen, konnte ich mich Schritt für Schritt in eine positivere Zukunft bewegen.
Im Verhältnis zu diesem Zugewinn an Lebensqualität wirken 37 Euro plötzlich sehr klein.
Was war mein Ansporn für mich als Autorin, dieses Buch zu schreiben? Wollte ich damit schnell reich werden? Nein. Es sollte eine ehrlich gemeinte Hilfestellung für viele trauernde Frauen sein und gleichzeitig für mich ein Buch, das ich selbst geschrieben und gestaltet habe und immer wieder gerne aufschlage.
Fazit: Nicht der Preis ist entscheidend, sondern der Nutzen
Ich glaube nicht, dass Bücher nur nach ihrem Umfang oder ihrem Preis beurteilt werden sollten. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, der Wert ihrer Wirksamkeit.
Mein Buch ist aus Erfahrung entstanden, mit viel Sorgfalt gestaltet und bewusst nicht überladen.
Es will nichts beschleunigen, nichts erklären, nichts „lösen“.
Es will Raum geben.
Und wenn dieser Raum für jemanden hilfreich ist, dann hat das Buch seinen Zweck erfüllt.
Mein Buch „Lass die Trauer los und lebe“ ist als Taschenbuch oder als gebundene Ausgabe hier auf meiner Website und bei Amazon erhältlich.
Beides sind gute Wege – entscheide einfach, was für dich passt.
