Warum Schrift mehr ist als Design – so habe ich meine Markenstimme gefunden

Was verbindest Du mit dem Begriff „Marke“? Denkst Du dabei an Farben, an Logos oder an Bildwelten? Das gehört sicher alles dazu. Doch eines der kraftvollsten Elemente wird oft übersehen: die Schrift.

Mein Verständnis für Schriften begann mit meiner Ausbildung im Jahr 1980. Mein Ausbilder war von Beruf Schriftsetzer, und er hatte dieses Leuchten in den Augen, wenn er über seinen Beruf und die Wirkung von Schriften sprach. Eine Serifenschrift kann immer gefallen. Er ließ mich eintauchen in Fraktur, Sans Serif und Schreibschrift. Durch ihn lernte ich:

Schrift ist Stimmung.
Schrift ist Haltung.
Schrift ist Identität.

Dieses Grundwissen wurde mir in den letzten Monaten wieder besonders bewusst.
In dieser Zeit habe ich meine Website neu aufgebaut, mein erstes Buch veröffentlicht und meine Social-Media-Präsenz geschärft. Und jedes Mal stand ich vor denselben Fragen:

Welche Schrift passt zu mir?
Wie möchte ich wirken?
Und wie viel Klarheit verträgt ein Design, das mich repräsentiert?

Was am Anfang wie eine rein technische Entscheidung anmutet, hat sich als Reise zu meinem eigenen Stil entpuppt.

Warum die erste Schrift nicht die letzte sein muss

Damals gab es nur Print – kein Web, kein Social Media. Ein gestalteter Text musste, um ihn zu verbreiten, gedruckt werden, und auch das Druckverfahren entschied darüber, ob die ausgewählte Schrift passend war – nicht zu fett oder zu fein. Heute gilt es, unterschiedlichsten Anforderungen gerecht zu werden. Eine Schrift auszuwählen, die für uns steht und für Print, für die Website und für Social-Media passt. 

Als ich meine Website im Herbst neu gestaltete, entschied ich mich zunächst für den Font Quicksand.
Er ist rund, freundlich und bei meinem ausgewählten Schriftschnitt leicht.
Die Quicksand fühlte sich warm an — und nach einem Neuanfang. Diese Schrift schien leicht wie der Frühling und ein leichtes Business, das wünschte ich mir.

Aber je tiefer ich in meine eigenen Inhalte und die Gestaltung der Website eintauchte, desto stärker spürte ich: „Diese Schrift passt nicht zu meiner Geschichte.“

Sie war zu weich.
Zu leicht.
Zu freundlich für jemanden, der mit Struktur, Klarheit und Tiefgang arbeitet.

Mit der Quicksand war es ein bisschen wie mit einem zu weiten Kleid: Sie war angenehm, aber nicht passend.

URW DIN – Die Schrift, die Klarheit spricht

Dass ich mein Buch in der URW DIN gesetzt habe, war kein Zufall. Je länger ich schrieb und gestaltete, umso deutlicher wurde das Bild, was ich ausdrücken wollte.

Die DIN steht für Präzision. Sie stammt aus der Signaletik, also dort, wo Orientierung und Klarheit über allem stehen. Diese Schrift ist zwar sachlich, aber nicht kalt und sie ist strukturiert, aber nicht streng.

Genau das brauche ich auch in meiner Arbeit:

  • klare Linien
  • eindeutige Formen
  • technische Präzision
  • ruhige, verlässliche Ausstrahlung

Mit der URW DIN fühlte ich mich sofort zuhause. Sie sagt:

„Ich führe dich sicher.“
„Ich sortiere.“
„Ich lenke nicht ab.“
„Ich mache kein Drama aus Information.“

Diese Schrift ist für mich kein Stilmittel. Sie ist meine innere Haltung.

Die Entscheidung für die DIN bei der Gestaltung meines Logos und der Website fiel ebenfalls nicht sofort. Ursprünglich verwendete ich die Ingra. Eine Schrift, die in vielen Schnitten zur Verfügung steht und die ich für meine letzte Firma im Logo und im Briefpapier verwendet hatte. Doch die DIN ist durch ihre spezielle Laufweite auch in kleinen Schriftgrößen lesbar. Auch wenn ich den halbfetten oder fetten Schnitt auswähle wirkt sie noch leicht. Und so formatierte ich mein Buch nochmals um.

Canva-Realität: Die DIN ist nicht überall verfügbar

Heute reicht es nicht mehr aus, nur ein Foto für seine Beiträge zu verwenden, um die Aufmerksamkeit beim Scrollen zu bekommen. Um Text und Bild für Social Media zu gestalten, nutze ich Canva. Doch wie so oft im Leben entscheidet bei der Auswahl der Schrift nicht der Idealismus, sondern der Werkzeugkasten.

Die URW DIN gibt es bei Canva nicht. 

Um mein Problem zu lösen, bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich ändere das Werkzeug, oder ich gehe einen Kompromiss bei der Schriftauswahl ein. Ausschlaggebend bei der Entscheidung war die Beantwortung der Frage:

Wie kann ich meiner Identität trotzdem treu bleiben, wenn ich nicht dieselbe Schrift nutzen kann?

Die Lösung fand ich in der DIN Next Devanagari.
Diese Schrift ist eine Schwester der DIN und sie zeigt sich ebenfalls modern, klar, technisch und strukturiert.

Anders ausgedrückt: Sie trägt dieselbe DNA, nur in einem anderen Kleid.

Damit konnte ich ohne Brüche in der Wirkung meine Slides, meine Präsentationen, die Header und Materialien gestalten.

Es fühlte sich wieder nach mir an.

Die Website: Warum es am Ende die Noto Sans wurde

Die Entscheidung für die passende Schrift auf meiner Website fiel mir echt nicht leicht. Was möchte ich ausdrücken, wie sollen sich die Seitenbesucher fühlen, wenn sie auf meine Seite kommen? Kann ich eine andere Schrift nehmen wie für das Logo ohne unprofessionell zu wirken? Für die Website suchte ich deshalb eine Schrift, die mehrere Dinge anbietet:

  1. Sie sollte dieselbe klare, präzise Formgebung wie die DIN aufweisen.
  2. Außerdem wünschte ich mir die technische Zuverlässigkeit eines Webfonts, ohne mich im Lizenztanz oder Abhängigkeit von einem Anbieter zu verlieren.

Die Montserrat probierte ich aus – doch ihre Laufweite war mir zu weit. Mir fehlte eindeutig die Eleganz.
Diese Schrift fühlte sich zu „präsent” und zu „laut“ an.

Die Noto Sans überzeugte mich schnell.

Diese Schrift

  • ist schmaler
  • eleganter
  • ruhiger
  • perfekt lesbar
  • technisch robust

Mit der Noto hatte ich eine Schrift gefunden, die sich meiner Sprache anpasst.
Meinem Tempo.
Meiner Art, Dinge zu erklären.

Und mir wurde klar, dass diese Schrift beim Lesen den Raum gibt und ihn nicht nimmt.

Warum Schrift eine Entscheidung über meinIdentität ist

Meine eigene typografische Reise hat mir eines gezeigt:

Schrift ist kein Detail.
Schrift ist ein Spiegel.

Sie zeigt:

  • Wie du denkst
  • Wie du arbeitest
  • Wie du wahrgenommen werden willst
  • Wieviel Klarheit du zulässt
  • Wie viel Persönlichkeit du zeigst

Ich habe die Schrift nicht nach einem Trend ausgewählt, oder andere Markenauftritte kopiert. Ich habe so lange gesucht, bis ich eine Schrift fand, die auch optisch Klarheit in meine Texte bringt. 

Im Gegensatz zu früher wähle ich heute Schriften, die zu mir passen – zu dem, was ich denke, fühle und tue.

Mein Fazit: Schrift ist eine Einladung

Eine gut ausgewählte Schrift zeigt: „So spreche ich zu dir.“

Bei mir ist diese Stimme klar, ruhig, strukturiert und präzise und eine bewusste Entscheidung für:

URW DIN (Print)
DIN Next (Social Media)
Noto Sans (Web)

Drei unterschiedliche Schriften, die das Gleiche ausdrücken.

Manchmal beginnt Klarheit nicht im erst Text, sondern schon in den Buchstaben selbst. 

Ich liebe Schrift.

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